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Peter-Michael Diestel sprach im Kapitelsaal des Kloster Stift über sein Buch „Aus dem Leben eines Taugenichts?“

Peter-Michael Diestel war angekündigt, um aus seinem autobiografischen Buch „Distel – Aus dem Leben eines Taugenichts?“ zu berichten und mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen über sich und die Zeiten vor, während und nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR. Knapp 80 Leute hatten Ihr Kommen angekündigt, bei widrigsten winterlichen Wetterverhältnissen fanden sich dann ca. 60 dem Winterwetter trotzende Besucher bei der abendlichen Veranstaltung im Kapitelsaal des Kloster Stift Heiligengrabe ein.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Seniorenbeirat der Gemeinde Heiligengrabe um Frau Stasch, moderiert von Bürgermeister Holger Kippenhahn. Möglich geworden war die Veranstaltung in eher kleinem Rahmen – denn sonst hat Peter-Michael Diestel, der bundesweit eingeladen wird, bis zu 600 Besucher auf seinen Veranstaltungen zu sitzen – durch Horst Ritter aus Jabel, der öfter mit dem bekannten Rechtsanwalt auf Jagd ist und sich zu dessen Freundeskreis zählen darf. Die entsprechenden Buchexemplare für die Veranstaltungsbesucher hatte die Bücherei „Bücherecke John“ aus Kyritz vorrätig dabei.

Einleitend liest Bürgermeister Holger Kippenhahn einen Brief von Peter-Michael Diestel an seinen Vater aus dem Buch vor, da er vom Eulenspiegelverlag darauf hingewiesen wurde, das Peter-Michael Diestel nicht zum Vorlesen, sondern zum Gespräch ins Kloster Stift kommt.

Dann aber stellt sich Peter Michael Diestel dem Publikum selbst vor mit den einleitenden Worten, dass sein „Honorar so üppig ist, dass er so lange reden wird, bis er rausgeworfen wird“. Der letzte stellvertretende Ministerpräsident und Minister des Innern der DDR ist Doktor der Rechtswissenschaften mit eigener Kanzlei. Bundesweit unterwegs ist er nicht nur auf Grund seiner anwaltlichen Arbeit, sondern auch wegen seines Buches und seinem Wissen aus der politischen Wendezeit.

Peter-Michael Diestel rätselt zuweilen über den außerordentlichen Erfolg seines Buches, welches bereits in der vierten Auflage erschienen ist, wie er offenbart. Nachdem er ein paar Aussagen zum Titel sowie Titelbild (Cover) des Buches gemacht hat, fährt er mit kurzen Ausführungen zu seinem Lebenslauf fort und erklärt, wie und warum er Jura studierte. So war er weder Jung- noch Thälmannpionier und konsequenter Weise auch nicht Mitglied der Freien deutschen Jugend (FDJ). Nach der landwirtschaftlichen Ausbildung studierte er in Leipzig Jura, weil da kein Mathe verlangt wurde. Denn dieses naturwissenschaftliche Fach und die Prüfungen in diesem machten nach eigener Aussage etwa fünfzig Prozent seiner nächtlichen Albträume aus.

Einerseits locker, andererseits bewusst und gekonnt provokant und polarisierend verliefen dann auch die weiteren Ausführungen an diesem Abend zu seinem Buch „Diestel – Aus dem Leben eines Taugenichts?“, welches „keine staatstragende Sch..“ sondern vielmehr kurzweilige Lektüre darstellt.

Kein Hehl macht Peter-Michael Diestel auch daraus, was für ein unbeschreibliches Gefühl es damals nach seiner Wahl zum Innenminister war, als vor ihm als Gefreiter der Reserve ranghöchste Generäle stramm standen. In dieser Zeit als letzter DDR – Innenminister und zweiter Mann im Staate hatte er viel Kontakt zu national und international hohen Politikern. Auch zur Person von Erich Honecker, der laut seien Aussagen mit seiner Ehefrau Margot auch sein Kreuz zu tragen hatte und den er als eher durchschnittlichen Menschen kennengelernt hat, äußert er sich da er derjenige war, die dem kranken ehemaligen Staatsoberhaupt der DDR nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems eine normale bürgerliche Existenz besorgte.

Dann kommt es vermehrt in Dialogen zum gedanklichen Austausch mit den Besuchern der Veranstaltung. Viele Fragen drehen sich um den Einheitsvertrag und den Verhandlungen zu diesem, zu Privatisierung und Eigentumsfragen (Treuhand). Bei den Ausführungen wird in der deutschen Historie teilweise bis vor den ersten Weltkrieg sowie die Versailler Verträge zurückgeblickt.

Peter-Michael Diestel stellt klar, dass auf Grund des damaligen Kräfteverhältnissen von DDR zu BRD seiner Meinung nach mehr in den Verhandlungen zum Einheitsvertrag gar nicht rauszuholen war. das Kräfteverhältnis umschreibt er dabei bildlich an den körperlichen Ausmaßen von einerseits Lothar de Maizière und auf der anderen Seite Helmut Kohl. Im übrigen verbindet ihn mit dem Altkanzler und Kanzler der Einheit eine tiefe Freundschaft und er betont, dass Helmut Kohl die „komischen und etwas kauzigen“ Ostdeutschen liebt. Auch sieht Peter-Michael Diestel durchaus blühende Landschaften, wie sie damals versprochen wurden und betont in diesem Zusammenhang, dass sich kein deutscher Landstrich in den vergangenen zwanzig Jahren derart nachhaltig verändert hat, wie die neuen Bundesländer.

Weiteren Gesprächsbedarf gab es auch zum Thema Grundgesetz bzw. Verfassung. Peter-Michael Diestel findet das deutsche Grundgesetz „das beste und humanistischte, welches es auf der Welt gibt“ und führt weiter aus, dass er „gern jedem in die Schnauze hauen würde, der etwas daran ändern will“.

Immer wieder ist auch das Thema Staatssicherheit ein Thema, aber Peter-Michael Diestel – der zuweilen auch als Stasi-Anwalt bezeichnet wird- vertritt klar die Auffassung, dass allein die Mitgliedschaft bei der Staatssicherheit kein Grund für heutige Diskriminierung oder gar Ausschluss aus politischen Ämtern darstellen darf, da dieses mit diktatorisch-faschistischen Methoden gleichzusetzen wäre. Bei nachweisbaren Straftaten sieht die Problematik anders aus, wie er betont. Im übrigen kenne er viele Leute, die heute noch im Wissen darüber, dass ihre Akten rechtzeitig vernichtet wurden, ihr Gesicht regelmäßig vor die Fernsehkameras halten und vollmündig tönen. Aus seiner Zeit als letzter Innenminister der DDR kennt Peter-Michael Diestel viele davon namentlich. Einige nennt er sogar in seinem Buch, allerdings nur unter deren Stasi-Decknamen.

Zum Schluss der Gesprächsrunde geht es um das Thema Fußball und insbesondere um Hansa Rostock, da der ehemalige Präsident des zur damaligen Zeit Bundesligisten und heutigen Drittligisten in einem kürzlich geführten Interview sagte, dass eher ein Verein aus der Region Sachsens wieder das Potential hätte, in die erste Bundesliga zu gelangen, als der Klub von der Ostsee. Bürgermeister und Hansa-Fan Kippenhahn fragte, ob er diese Äußerung auf Grundlage der aktuellen Tabellensituation zurücknehmen würde, was jedoch mit Begründung auf Fehler im Management verneint wurde. Peter-Michael Diestel berichtet über Verhandlungen mit mit gestandenen Fußballmanagern wie Callmund (Bayer Leverkusen) und Niebaum (Borussia Dortmund) und betont mit Stolz, dass Hansa Rostock zu der Zeit, als er dort Präsident war, nach dem FC Bayern München sowie dem VfB Stuttgart der ostdeutsche Verein Hansa Rostock der drittreichste der Fußball-Bundesiga war, wovon heute leider nichts mehr übrig ist.

Dann konnten sich die Besucher noch Ihr Buchexemplar „Diestel – Aus dem Leben eines Taugenichts?“ vom Autor höchstpersönlich widmen und signieren lassen und sich durch winterlich verschneite Landschaften auf den Heimweg begeben.

Impressionen vom Abend mit Peter-Michael Diestel:

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